Eine Wanderung in der Heimat

Der zweite Teil unseres Urlaubes sollte uns in die Schweiz führen. Heimaturlaub, Freundinnen und Verwandte mal wieder sehen. Aber natürlich auch meinem Freund endlich mal ein paar Ecken der Schweiz zeigen. Natürlich treu auf den Pfaden meiner Kindheit. Es muss ja schliesslich auch für mich etwas dabei sein.

Und so führte uns unser erster Ausflug gleich mal zum Pilatusmassiv. Ich weiss nicht wie oft unsere Eltern mit uns dort waren. Jedenfalls sehr oft. Und an die meisten Ausflüge habe ich gute Erinnerungen. War da doch sowas wie Seilbahn fahren und ein Abenteuerspielplatz dabei. Oder auch einfach nur Rodeln. Auch öde Wanderungen – ja, als Kind waren die noch öde – wurden aufgepeppt. Entweder war der Abenteuerspielplatz das Ziel, oder es wurde irgendwo ein Feuer gemacht und eine Servelat „gebrötelt“. Oder es gab sogar eine Kombination aus beidem. Auch auf dem Gipfel waren wir, dies aber nur einmal, weil es für die gesamte Familie doch sehr teuer war, und der Weg für Kinder einfach zu lang und zu steil.

Auch aus Erwachsene führte mich der Weg dann schon öfters dorthin. Die Goldene Rundfahrt musste mal wieder sein. Man vergisst ja so einiges. Und auch der Abenteuerspielplatz musste mal wieder erkundet werden. Wobei mich letzterer enttäuscht hat. Haben sie den doch tatsächlich inzwischen „kindersicher“ gemacht. Die Seilrutsche war kürzer, flacher und der Autoreifen dafür war auch weg. Wo bleibt denn da der ganze Spass?

Wohlwissend, dass der Abenteuerspielplatz neu eine Enttäuschung ist, war der Plan also, dass wir ihn dieses Mal umgehen. Gestartet sind wir somit vom Holderchäppeli aus. Eine Strassenkreuzung mit einem grossen Wanderparkplatz. Für solche, die gerne die Wanderung nachgehen würden: Man kommt auch mit dem ÖPNV hin, in diesem Falle wäre dies das Postauto. Was auf der doch teilweise schon etwas engeren und kurvigen Abenteuer für Flachlandindianer ein kleines Abenteuer mit sich bringt. Wer nicht weiss, wovon ich nun rede, dem empfehle ich auf jeden Fall mit dem Postauto zum Ausgangspunkt hinzufahren.

In unserem Falle waren meine Eltern so nett, und haben uns hingeführt. Damit hatten wir dann auch die Möglichkeit, einen anderen Abstieg zu wählen.

Vom Holderchäppeli führte uns der Weg zuerst auf Forststrassen schwach bergan Richtung Krienseregg, bzw. Fräkmüntegg. Die Krienseregg ist die erste Mittelstation der Seilbahn. Die Fräkmüntegg die zweite. Zweitere sollte unser Ziel sein. Für den Gipfel sind wir aktuell leider einfach doch noch zu wenig fit.

Nach der Abzweigung Richtung Fräkmüntegg wurde es dann endlich steiler. Irgendwann mussten ja die 500 Höhenmeter zurückgelegt werden. Durch ein Waldstück hinauf ging es auf einem nassen Weg, der wohl ein paar Tage zuvor eher noch ein Fluss war, bergan.

Weg oder doch eher ehemaliger Fluss?

Bis wir dann aus dem Wald herauskamen und das Ziel bereits in Sicht war. Mit einigen anderen Wanderern (welche wohl aus einer anderen Richtung kamen) ging es dann weiter zur Fräkmüntegg. Obwohl dies eher nur noch das letzte Drittel des Weges war, zog sich diese Teilstück doch arg in die Länge. Wir waren nun nicht mehr allein, die Sonne brannte runter, und das Ziel wollte und wollte nicht wirklich näher kommen.

Irgendwann war es dann aber geschafft, und anstatt mit einem tollen Ausblick, wurden wir als erstes Mal mit vielen Touristen belohnt. Naja, Mittelstation. Oder Bergstation, je nach Definition. Es fährt ja noch eine Bahn weiter bis auf den Gipfel raus, aber man muss hier umsteigen. Insofern war dann reger Verkehr. Leider auch in ungeeignetem Schuhwerk. Kann mir mal jemand die Frage beantworten, was eigentlich im Gehirn schief läuft, wenn man mit Flip Flops oder Riemchensandalen auf einen Berg geht? Auch wenn man mit der Seilbahn hochfährt? Ich verstehe es irgendwie immer noch nicht…

Fräkmüntegg inklusive Sommerrodelbahn

Neben den Touristen gab es auch viele Einheimische Familien. Wir mussten damals noch mit einer Servelat geködert werden, damit unsere Eltern uns da rauf kriegten. Besagter Abenteuerspielplatz befindet sich nämlich etwa 400 hm tiefer, bei der ersten Mittelstation. Und das wussten wir sehr wohl. Inzwischen gleicht die Fräkmüntegg, oder Fräki, wie die Einheimischen sie nennen, eher einem Vergnügungspark.

Hier befindet sich die längste Sommerrodelbahn, ein Wipfelpfad, ein Seilpark und der Dragon Glider. Für Familien also ein sehr lohnendes Ausflugsziel. Und ich gebe es zu, auch wir sind um den Vergnügungspark nicht herumgekommen. Die Sommerrodelbahn zog mich magisch an. Mein Freund verstand zuerst nicht, warum ich freiwillig noch weiter hoch ging – aber ich bin ja einheimisch, ich weiss ja, wo was ist, und mich zog es magisch zur Sommerrodelbahn hoch. Und ja, es hat sich gelohnt auch diese paar Höhenmeter noch zurückzulegen. Einige Dinge machen doch einfach immer wieder Spass.

Mittagspause

Nach einer erholsamen Pause (auch inklusive Picknick) machten wir uns dann wieder an den Abstieg. Dieses Mal nicht Richtung Holderchäppeli, sondern Richtung Krienseregg. So sparten wir uns den doch etwas rutschigen Fluss-Teil (äh, Weg) der Wanderung und es ging mit einer angehmenen Steigung 400 hm wieder runter zur Mittelstation, von wo aus wir dann die Seilbahn bis zur Talstation nahmen. Darüber mögen nun vielleicht einige den Kopf schütteln. Aber: Ein erfahrener Wanderer kennt auch seine Grenzen, bzw. seine kaputten Knie. Wenn ich am nächsten Tag dafür noch ohne Schmerzen gehen kann, verzichte ich dann doch lieber auf meinen Stolz.

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